90 Dezibel – das entspricht in etwa dem Geräuschpegel einer Kreissäge oder eines vorbeifahrenden Motorrads. In besonders schweren Fällen kann dieser Lärmpegel auch in der eigenen Wohnung erreicht werden. Die Rede ist vom Schnarchen. Anlässlich des Tags des Schlafes am 21. Juni macht das AMEOS Klinikum Bremerhaven auf die gesundheitlichen Risiken aufmerksam, die sich hinter vermeintlich harmlosen nächtlichen Atemgeräuschen verbergen können.
Zwischen 10 und 30 Prozent der Deutschen schnarchen regelmäßig, bei Männern über 50 Jahren sind es sogar bis zu 80 Prozent. Auch Frauen neigen nach den Wechseljahren häufiger zum Schnarchen.
Ursache sind meist die oberen Atemwege. Erschlafft die Muskulatur während des Schlafs, verengen sich die Atemwege. Dies kann durch Alkohol sowie Beruhigungs- oder Schlafmittel begünstigt werden. Mit zunehmendem Alter nimmt die Muskelspannung zusätzlich ab, weshalb Schnarchen in jüngeren Jahren vergleichsweise selten auftritt. Durch die Verengung steigt die Strömungsgeschwindigkeit der eingeatmeten Luft. Gaumensegel und Zäpfchen geraten in Schwingung und erzeugen die typischen Schnarchgeräusche. Auch anatomische Veränderungen, Atemwegserkrankungen oder Übergewicht können die Atemwege zusätzlich verengen.
„Viele Menschen betrachten Schnarchen als harmlos oder lediglich als Belastung für den Partner. Tatsächlich kann es jedoch ein Hinweis auf ernsthafte Atemstörungen während des Schlafs sein. In unserem Schlaflabor sehen wir regelmäßig Patientinnen und Patienten, bei denen hinter dem Schnarchen eine behandlungsbedürftige Schlafapnoe steckt“, erklärt Dr. med. Christoph Schaudt, Chefarzt der Klinik für Pneumologie, Intensiv- und Beatmungsmedizin und Leiter des Zentrums für Schlafmedizin am AMEOS Klinikum Bremerhaven.
Leises und gleichmäßiges Schnarchen beeinträchtigt das Wohlbefinden meist nicht. Laute und unregelmäßige Atemgeräusche können jedoch auf gesundheitliche Probleme hinweisen. Schnarchen ist dabei nie die Ursache, sondern immer ein Symptom. Eine häufige Ursache ist die obstruktive Schlafapnoe, bei der es während des Schlafs zu Atemaussetzern von zehn Sekunden bis hin zu mehreren Minuten kommt.
Die gesundheitlichen Folgen werden oft unterschätzt. Studien zeigen, dass nächtliche Atemaussetzer das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Schlaganfälle deutlich erhöhen können. Unbehandelt kann sich die Lebenserwartung verkürzen. Zudem wird der Tiefschlaf gestört, so dass Betroffene tagsüber häufig unter Müdigkeit, Konzentrationsproblemen und verminderter Leistungsfähigkeit leiden.
Da Schnarchen und Atemaussetzer von den Betroffenen selbst meist nicht wahrgenommen werden, sind es häufig Angehörige, die eine Untersuchung anregen. Zur Abklärung möglicher Ursachen und insbesondere zum Ausschluss einer Schlafapnoe kann eine Untersuchung im Schlaflabor erfolgen.
„In unserem Zentrum für Schlafmedizin mit zertifizierten Schlaflabor können wir mithilfe zahlreicher Sensoren Schlaf und Atmung analysieren und so detaillierte Aussagen über mögliche Atemstörungen während des Schlafs treffen. Die Untersuchung ist vollständig schmerzfrei.“, so Dr. Schaudt.
Die obstruktive Schlafapnoe wird durch bestimmte Lebensgewohnheiten zusätzlich begünstigt. Übergewicht gilt als wichtigster Risikofaktor. Auch Rauchen und Alkohol erhöhen Dauer und Häufigkeit nächtlicher Atemaussetzer. Die wichtigste Therapieform ist die Behandlung mit einer speziellen Atemmaske. Sie erzeugt einen leichten Überdruck in den Atemwegen, hält diese offen und beugt so Atemaussetzern vor.
„Wer regelmäßig laut schnarcht, unter ausgeprägter Tagesmüdigkeit leidet oder von Angehörigen auf nächtliche Atemaussetzer hingewiesen wird, sollte dies ärztlich abklären lassen“, rät Dr. Schaudt. „Eine frühzeitige Diagnose kann nicht nur die Schlafqualität verbessern, sondern auch schwerwiegenden Folgeerkrankungen vorbeugen.“
