Pflegefachkraft aus Ueckermünde nimmt Angst durch Humor
Elisa Lenz wurde als OZ-Pflegeheld nominiert. In ihrer Arbeit zeigt sie viel Einfühlungsvermögen und Humor
„Pflege entstammt der Barmherzigkeit.“ Diesen Satz hat Elisa Lenz aus Ueckermünde in einer Weiterbildung mit auf den Weg bekommen und nimmt ihn sich seitdem zu Herzen. „Geduld und Mitgefühl“ nennt die 35-Jährige wichtige Eigenschaften in ihrem Berufsstand. Besonders in den schlimmsten Momenten des Lebens sorge sie für Sicherheit und nehme Ängste. Deshalb wurde Elisa Lenz, die im AMEOS Klinikum Ueckermünde als Pflegefachkraft in der inneren Medizin arbeitet, als OZ-Pflegeheldin nominiert.
Schmerzen und Unwohlsein entstehen nicht nur durch körperliche Gebrechen. Auch wenn Patienten Ängste äußern, sei es wichtig, darauf einzugehen, egal wie absurd sie auf Außenstehende wirken mögen, meint die gelernte Pflegefachkraft. „Zum Beispiel hatte ich mit einem Patienten zu tun, der von einer Spinne gebissen wurde. Er hatte Angst vor einer allergischen Reaktion. Ich bin zwar keine Biologin, aber giftige Spinnen sind in Deutschland ja selten“, berichtet Lenz. Daraufhin habe sie sich vergewissert, um welche Spinnenart es sich handelt, und den Patienten beruhigen können. „Er hatte die Spinne in einem Einmachglas dabei. Dort hat sie ein Bein verloren. Ich habe zu ihm gesagt: ,Schauen Sie mal hier. Die ist eigentlich auch ein Patient für uns.’ So habe ich ihn aus der Angst rausgeholt. Die Spinne haben wir hinterher wieder freigelassen. “
Was sie zum Beginn jeder Schicht aufs Neue antreibt, sei die Interaktion mit den Menschen. „Wenn man mit Höflichkeit und Humor auf die Patienten zugeht, dann bekommt man das auch zurück“, sagt Elisa Lenz und lächelt. „Man sollte nicht alles immer so ernst nehmen. Wenn ich mit einem grimmigen Gesicht rumlaufe, dann übertrage ich das auch auf den Patienten.“ Sie erzähle morgens bei der Körperpflege viel von ihrem Hund und was er so alles anstellt, berichtet die Pflegefachfrau. Die Patienten könnten dann darüber lachen und man fände so unter Umständen auch Gemeinsamkeiten. Lebhaft auf die Patienten zugehen, das ist die Devise von Elisa Lenz.
Doch nicht immer geht es so locker und humorvoll zu. Der Zustand mancher Patienten verschlechtert sich. „Ich versuche dann ein Ruhepol zu sein und den Angehörigen zu vermitteln, dass dies das Ende ist, auf das wir alle zusteuern. “ Bei diesen Worten wird Elisa Lenz’ Stimme brüchig. Man merkt ihr an, wie sehr sie das Schicksal mancher Patienten mitnimmt. „Ich bin leider nicht sehr gut darin, Arbeit nicht mit nach Hause zu nehmen. “ Auch außerhalb ihrer Arbeitszeiten bleibt Elisa Lenz einsatzbereit. Erst kürzlich erkannte sie auf einem Helene-Fischer-Konzert Warnsignale, denen sie in ihrer Arbeit schon oft begegnet ist, und handelte. Sie stand in der Warteschlange vor dem Konzert. Einige Meter vor ihr legte sich plötzlich eine Frau auf den heißen Asphalt. Elisa trat an die Frau heran und erkundigte sich nach ihrem Wohlbefinden. Ihr sei schwindelig und übel, antwortete die Frau. Daraufhin winkte Elisa Lenz die Person am Einlass heran und bat darum, vorzeitig das Gelände betreten zu dürfen, um der Frau zu helfen. Dadurch konnte sie der Frau eine angemessene Hilfe anbieten.
Elisa Lenz arbeitet seit 16 Jahren in der Pflege. „Angefangen hat alles mit einem Schülerpraktikum in der elften Klasse. Dass ich dort gelandet bin, war purer Zufall.“ Nach dem Abitur begann sie eine Ausbildung in der Pflege. „Wir leben in einem Zeitalter, in dem niemand mehr Schmerzen leiden muss. Und ich helfe dabei, einfach in kleinen alltäglichen Situationen“, meint sie. Das Wich- tigste an ihrem Beruf sei es, den Menschen ihre Lebensfreude wiederzugeben.
Artikel von Yasmin Müller, Ostsee Zeitung
